24. November 2017
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Begegnung und Austausch - Das Stadtkloster beim Kirchentag

Über 100 000 Dauergäste aus ganz Deutschland und darüber hinaus, dazu noch unzählige Menschen aus Berlin haben Ende Mai am Evangelischen Kirchentag teilgenommen. Auch das Stadtkloster Segen war mittendrin. Der erste Kirchentagsgast hatte bereits am frühen Morgen des Mittwoch, 24. Mai – also vorm eigentlichen Beginn der Großveranstaltung – an der Abendmahlsfeier im Stadtkloster teilgenommen. Originelle Wege führten den jungen Münchener Pfarrer zu uns: Er war auf dem Weg ins Fitness-Studio und hatte übers Internet herausgefunden, dass hier schon morgens etwas los ist.
Der Kirchentag startet traditionell mit dem „Abend der Begegnung“ – nach den Eröffnungsgottesdiensten können die Teilnehmenden ein Bad in der Menschenmenge nehmen und sich dabei von verschiedenen kirchlichen Initiativen verköstigen lassen. Da wollte sich auch das Stadtkloster nicht lumpen lassen. Ein Team hat 60 Liter Suppe gekocht und dazu noch Unmengen leckerer Plätzchen „mit Liebe gebacken“, wie es auf der Info-Tafel hieß. Nachdem der erste Hunger gestillt war, kam es an unserem Stand, mitten in Mitte an der Friedrichstraße, zu erstaunlichen Gesprächen: „Was Stadtkloster, sowas gibt’s in Berlin?“
Während des Kirchentages fanden im Stadtkloster liturgische Stundengebete statt. Morgens und mittags hat der Stadtkloster-Konvent die Gebete durchgeführt, abends war der „Verein Ökumenisches Stundengebet“ zuständig. Die Begegnung mit Gott und der Austausch mit anderen Menschen wechselten sich ab und vertieften sich gegenseitig. In diesem Sinne spiegelte der Kirchentag das wieder, was wir auch im Alltag zu leben versuchen: Regelmäßige, kurze Tagzeitengebete als verbindliche Präsenz in einer vielseitigen Stadt, Sich-Gott-Zuwenden als gemeinsamer Punkt inmitten ganz verschiedener Aktivitäten.
Ähnliches hat eine Gruppe von Menschen, die sich dem Stadtkloster verbunden fühlen, am Kirchentags-Freitag in der Parochialkirche auf kreative Weise versucht darzustellen: Es gab eingespielten Straßenlärm und Aktivitäten wie Stricken (urban nitting), Gärtnern (urban gardening), Small-Talk an der Bushaltestelle usw. Kurze Stille-Impulse haben dieses Treiben immer wieder unterbrochen und ihm eine tiefere Dimension gegeben.
Jede und jeder Teilnehmende hat auf dem Kirchentag ihre, seine eigenen Erfahrungen gemacht, ist den eigenen Weg gegangen quer durch das dicke Programmheft, quer durch Berlin. Ich selbst habe mich u.a. anrühren lassen von der Besprechung des Buches „Lass Dich nicht im Stich – die spirituelle Botschaft von Ärger, Zorn und Wut“ mit dem Autor Pierre Stutz. Außerdem habe ich an einer orthodoxen Vesper teilgenommen. Dort hat der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos in seiner Predigt deutlich gemacht, dass Kirchentage immer auch eine ökumenische Dimension haben: „Wir Christen sollten nicht länger an getrennten Tischen sitzen“, sagte er auch im Hinblick auf die Eucharistie.
Der politische Aspekt des Kirchentages hat in den Medien viel Raum eingenommen. Und das ist auch gut so, schließlich sind wir als Christinnen und Christen dazu berufen, in der Welt zu leben und Verantwortung zu übernehmen. Nachdenkliche Töne dazu kamen u.a. von der Sängern Yvonne Catterfeld, die auf ihrem Konzert am Brandenburger Tor sang: „Warum bloß in Gottes Namen führt ihr noch Kriege? Und ist Liebe hier noch irgendwas wert?“
Der rote Faden, der all diese sehr unterschiedlichen Veranstaltungen verbunden hat, war das Motto „Du siehst mich“. Es stand zum Ende des Kirchentages noch mal im Zentrum der Abendbesinnung im Stadtkloster. Gemeinsam mit der ägyptischen Sklavin Hagar aus dem Alten Testament sehnen sich viele Menschen danach, gesehen zu werden. Ein Lied, das für den Kirchentag geschrieben wurde, drückt diese Sehnsucht so aus: „Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt. Du bist ein Gott, der mich achtet. Du bist die Mutter, die liebt.“
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Carsten Albrecht am 24.06.2017 - 14:44 Uhr
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